Häuser und Hausnamen in Ahrdorf

Häuser und Hausnamen - Ein Stück Dorfgeschichte bewahren


Die Häuser eines Dorfes erzählen Geschichten. Sie berichten von den Menschen, die dort lebten und arbeiteten, von Familien, Handwerk, Landwirtschaft und vom Wandel der Zeit. Auch in Ahrdorf haben viele Gebäude eine lange Geschichte, die oft weit über die Erinnerung der heutigen Bewohner hinausreicht. Manche Häuser wurden über Generationen hinweg von derselben Familie bewohnt, andere wechselten ihre Besitzer, wurden erweitert, umgebaut oder erhielten neue Funktionen.


Mit dieser Seite möchte ich dazu beitragen, die Geschichte der Häuser in Ahrdorf zu dokumentieren und für kommende Generationen zu bewahren. Dabei geht es nicht nur um Baujahre und Eigentümerfolgen, sondern vor allem um die Geschichten hinter den Mauern: Wer lebte hier? Welche Berufe wurden ausgeübt? Welche Ereignisse prägten das Haus und seine Bewohner? Welche Erinnerungen verbinden die Menschen des Dorfes mit den einzelnen Gebäuden?


Ein besonderer Schwerpunkt gilt den traditionellen Hausnamen, die früher in der Eifel eine große Bedeutung hatten. In kleinen Dörfern reichte der Familienname oft nicht aus, um jemanden eindeutig zuzuordnen. Deshalb entstanden Hausnamen, die sich über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hielten. Heute geraten viele dieser Namen zunehmend in Vergessenheit. Umso wichtiger ist es, die noch vorhandenen Erinnerungen festzuhalten, bevor sie verloren gehen.


Auf dieser Seite sollen nach und nach Informationen zu den einzelnen Häusern in Ahrdorf zusammengetragen werden. Geplant sind unter anderem:


  • historische und aktuelle Fotografien
  • bekannte Hausnamen
  • Baujahre
  • frühere Bewohner und Eigentümer
  • Berufe und Handwerksbetriebe
  • besondere Ereignisse und Geschichten
  • alte Dokumente, Karten oder Zeitungsberichte


Dieses Projekt lebt von den Erinnerungen und dem Wissen der Menschen. Deshalb freue ich mich über Hinweise, Fotos, Dokumente und Erzählungen aus der Bevölkerung. Oft sind es gerade die kleinen Geschichten und persönlichen Erinnerungen, die Dorfgeschichte lebendig machen.


Wer Informationen oder Bildmaterial beitragen möchte, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen. Gemeinsam können wir dazu beitragen, ein wichtiges Stück Ahrdorfer Geschichte zu bewahren.

Die Ansichtskarte der Gaststätte Romes, verschickt im Jahre 1915, zeigt - im Vergleich zu heute - ein ganz anderes Ortsbild. Das 1929 eingeweihte Schulgebäude fehlt ebenso wie das Denkmal, das Bürgerhaus und viele andere Häuser. Dafür sind Häuser zu sehen, die es längst nicht mehr gibt. Das liegt besonders an den Zerstörungen, die der Luftangriff vom 25.12.1944 angerichtet hat.


Das Foto, das als Vorlage für die Ansichtskarte diente, entstand in der Zeit zwischen 1910 und 1913, während des Baus der Eisenbahnstrecke Ahrdorf - Blankenheim (Wald). Bei dem flachen Bau im oberen Bildteil handelt es sich um eine Baracke, die wohl als Unterkunft für die vielen beim Bahnbau beschäftigten Fremdarbeiter diente. Der Name "Romes" wurde übrigens auch zum Hausnamen. Ältere Ahrdorfer kennen zum Beispiel noch "Rommesse Änn", die in Wirklichkeit Anna Bilger hieß und eine geborene "Romes" war. 


Im Zuge des Bahnbaus entstanden auch neue Häuser. Ahrdorf war ein Abzweigbahnhof und man erwartete gute Geschäfte und zusätzliche Arbeitsplätze. So entstand zum Beispiel der Gasthof Schmitz-Caspers, später als "Hubertushof" bezeichnet.


Entstehung und Gebrauch von Hausnamen

Hausnamen entstanden vor allem in ländlichen Regionen wie der Eifel aus einem ganz praktischen Bedürfnis heraus: Menschen mussten eindeutig unterschieden werden. In kleinen Dörfern gab es oft nur wenige Familiennamen, die sich ständig wiederholten. Wenn beispielsweise mehrere Familien mit dem Namen „Schmitz“ oder „Müller“ im selben Ort lebten, reichte der Nachname allein nicht mehr aus. Deshalb entwickelte sich über Generationen hinweg ein eigenes System von Haus- und Hofnamen.


Der Hausname bezog sich ursprünglich nicht auf die Person, sondern auf das Anwesen selbst. Wer in ein Haus einheiratete oder es übernahm, wurde häufig automatisch mit dem Hausnamen bezeichnet – selbst wenn der eigene Familienname eigentlich ein anderer war. Dadurch konnten sich Hausnamen über Jahrhunderte erhalten, obwohl die Familien wechselten.


Andererseits änderten sich mit dem Besitzerwechsel manchmal auch die Hausnamen. In Ahrdorf beispielsweise wurde aus "Nöimanns" (Neumanns) "Massongs", aus "Märx" wurde "Albrechts" und aus "Schmitze" wurde "Jehlens" (Gehlen).


Die Entstehung der Hausnamen hatte unterschiedliche Ursprünge:


  • Nach dem Beruf

    Viele Hausnamen leiteten sich vom Beruf eines Bewohners ab. Beispiele in Ahrdorf wären Namen wie „Schmitze“ (Schmied), „Mülle“ (Müller), Poss (Poststation) oder „Jlaaskrämesch“ (Glaskrämer).


  • Nach Vornamen oder Familiennamen

    Oft wurde ein prägender Bewohner namensgebend. Aus „Johann“ konnte etwa „Jans“, aus „Peter“ „Pittesch“ oder aus „Josef“ „Juppes“ werden. In Ahrdorf erinnern die Hausnamen "Schrüedeschjans" (wohl von einem Johann Schröder), "Stoffels" (von Christoph (Stoffel) Weber) oder der bereits erwähnte Hausname "Rommesse".


  • Nach Eigenschaften oder Besonderheiten

    Manche Namen bezogen sich auf die Lage oder ein Merkmal des Hauses, etwa eine krumme Bauweise, besondere Farben oder auffällige Gegebenheiten.


  • Nach Herkunft

    Zog eine Familie aus einem anderen Ort zu, konnte auch die Herkunft zum Hausnamen werden.


  • Nach alten Hof- oder Flurnamen

    Besonders bei älteren Höfen gingen Hausnamen häufig auf historische Bezeichnungen des Grundstücks zurück. In Ahrdorf waren das zum Beispiel "Nössjes" für die Flurbezeichnung "Nüssgespesch" oder "Heppesch" für die Flurbezeichnung "Im Hebbertsgarten".


In der Eifel waren Hausnamen weit mehr als bloße Spitznamen. Sie waren Teil der dörflichen Ordnung und Identität. Im Alltag wurden Menschen oft ausschließlich mit ihrem Hausnamen angesprochen. Nicht selten wusste jemand im Dorf mit dem offiziellen Familiennamen wenig anzufangen, während der Hausname sofort Klarheit schuf.


Sprachlich sind viele Hausnamen eng mit den regionalen Dialekten verbunden. Gerade im Rheinland und in der Eifel entstanden zahlreiche mundartliche Formen, die sich von Dorf zu Dorf unterscheiden konnten. Dadurch sind Hausnamen heute auch ein wertvolles Zeugnis regionaler Sprachgeschichte.


Mit der Einführung moderner Verwaltungssysteme, Hausnummern und Meldeämter verlor die praktische Bedeutung der Hausnamen allmählich an Gewicht. Hinzu kamen gesellschaftliche Veränderungen: Neubaugebiete entstanden, alte Höfe verschwanden, Familien zogen weg oder Häuser wechselten häufiger die Besitzer. Dadurch drohen viele traditionelle Hausnamen heute verloren zu gehen. Auch die Entwicklung, dass immer weniger Menschen "Platt" sprechen, spielt eine Rolle.


Gerade deshalb sind Projekte wie die Dokumentation der Häuser und Hausnamen von Ahrdorf kulturhistorisch sehr wertvoll. Sie bewahren nicht nur Namen, sondern auch Erinnerungen an die Lebenswelt früherer Generationen.


Ahrdorfer Häuser

Im Jahre 1687 zählte Ahrdorf 15 Häuser, 1849 waren es etwa 30. Danach änderte sich zunächst einmal wenig. Das Elend in den folgenden Jahrzehnten ließ auch aus Ahrdorf viele Menschen ihr Glück in Amerika suchen. Die Häuser der Auswanderer wurden in der Regel verkauft. Die Bevölkerung und damit auch die Zahl der Häuser stagnierte. In dem 1893 erschienenen Buch über die Pfarreien im Dekanat Blankenheim ist die Rede davon, dass Ahrdorf damals immer noch etwa 30 Häuser und 150 Einwohner hatte.


Und so gab es postalisch in Ahrdorf lange Zeit nur eine einzige Straße: die "Dorfstraße". Ich erinnere mich noch, dass mein Elternhaus die Adresse "Dorfstraße 33" hatte. Irgendwann nach der kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen, verbunden mit der Zuordnung der zuvor selbständigen Gemeinde Ahrdorf zur Gemeinde Blankenheim, wurden dann die heutigen Straßenbezeichnungen eingeführt: Hubertusstraße, Dorseler Weg, An der Mühle, Bienengarten, Zur Kapelle, Schönebergstraße, Uedelhovener Weg, Im Acker. Dazu gibt es noch die Bundesstraße B 258, außerdem zwei "Exoten": der abseits des Ortes gelegene ehemalige Bahnhof Ahrdorf und Haus Ruland, ein ehemaliges Eisenbahnerhaus, das sich in Bahnhofsnähe befindet.


Die Ahrdorfer Häuser werden nachfolgend nach den heutigen Straßenbezeichnungen aufgelistet. Bei den Namen von Bewohnern muss man leider den Datenschutz berücksichtigen. In diesem Sinne unverdächtig ist ein Häuserverzeichnis, welches ein Pastor Rütten am 13. Oktober 1887 erstellt hat. Darin sind die Hausnamen - ins Hochdeutsche "übersetzt" - aufgeführt, außerdem die Besitzer mit Beruf und damaligem Alter. Die weiteren Angaben beruhen teilweise auf Dokumenten, teilweise Annahmen, teilweise auf meiner Erinnerung. Aktuelle Besitzer werden überwiegend aus Datenschutzgründen weggelassen.


Uedelhovener Weg

Uedelhovener Weg 3, Hausname: Heppesch

  • Baujahr: nicht bekannt
  • Ableitung des Hausnamens: Flurbezeichnung "Im Hebbertsgarten".

Besitzer:

  1. Hubert Christmann (* 24.08.1813, + 06.03.1894) und Gertrud, geb. Leif (* 05.07.1830, + 05.02.1892)
  2. Johann Wirtz (* 08.01.1874, + 25.02.1934) und Christina, geb. Christmann (* 28.09.1862, + 25.12.1944)
  3. Hubert Wirtz (* 08.07.1885, +09.02.1964) und Anna Christina Schröder (* 12.06.1889, + 09.05.1963)
  4. Josef Frings (* 26.10.1923, + 11.06.1991) und Agathe, geb. Wirtz (* 05.02.1923, + 10.03.2005)
  5. Peter Frings (* 11.09.1955, + 09.01.1993)

Das Haus wurde beim Luftangriff auf Ahrdorf am 25.12.1944 schwer beschädigt. In den Trümmern starben Christina Wirtz mit Tochter Franziska, außerdem der damalige Bahnhofsvorsteher von Ahrdorf, Theodor Krämer. Die zweite Tochter, Agathe Wirtz, wurde schwer verletzt und verlor ein Auge.

Heppesch in den 1940er Jahren

Nach dem Wiederaufbau des Hauses wurde die ehemalige Scheune Anfang der 1960 Jahre zu einer Bäckerei umgebaut, die von  Josef Frings (Heppesch Jupp) und Agathe Wirtz (Heppesch Jätt) geführt wurde. Bis zum Tod von deren Sohn Peter Frings (Heppesch Pitter) blieb das Haus immer in Familienbesitz, auch wenn sich durch Heirat die Namen änderten. Danach wurde es zunächst vermietet und später verkauft.


Das Foto zeigt den Gebäudekomplex Heppesch nach dem Umbau. Rechts vom Fallrohr der Dachrinne befand sich die Backstube, links hinter dem großen Fenster der Verkaufsraum der Bäckerei.


Die Bäckerei zog viele Menschen aus der Umgebung und auch viele Urlauber aus dem Feriendorf und dem Campingplatz der heutigen Frings-Mühle an. Die Vielfalt der angebotenen Backwaren war zwar überschaubar, aber das, was man dort kaufen konnte, war ausgesprochen lecker. Egal ob Brot, Brötchen, Nussecken, Apfeltaschen, Puddingteilchen oder der Kuchen.... es schmeckte einfach wunderbar. Das Ehepaar Frings und Sohn Peter waren auch echte Eifeler Originale. 



... wird fortgesetzt...