Häuser und Hausnamen in Ahrdorf

Häuser und Hausnamen - Ein Stück Dorfgeschichte bewahren


Die Häuser eines Dorfes erzählen Geschichten. Sie berichten von den Menschen, die dort lebten und arbeiteten, von Familien, Handwerk, Landwirtschaft und vom Wandel der Zeit. Auch in Ahrdorf haben viele Gebäude eine lange Geschichte, die oft weit über die Erinnerung der heutigen Bewohner hinausreicht. Manche Häuser wurden über Generationen hinweg von derselben Familie bewohnt, andere wechselten ihre Besitzer, wurden erweitert, umgebaut oder erhielten neue Funktionen.


Mit dieser Seite möchte ich dazu beitragen, die Geschichte der Häuser in Ahrdorf zu dokumentieren und für kommende Generationen zu bewahren. Dabei geht es nicht nur um Baujahre und Eigentümerfolgen, sondern vor allem um die Geschichten hinter den Mauern: Wer lebte hier? Welche Berufe wurden ausgeübt? Welche Ereignisse prägten das Haus und seine Bewohner? Welche Erinnerungen verbinden die Menschen des Dorfes mit den einzelnen Gebäuden?


Ein besonderer Schwerpunkt gilt den traditionellen Hausnamen, die früher in der Eifel eine große Bedeutung hatten. In kleinen Dörfern reichte der Familienname oft nicht aus, um jemanden eindeutig zuzuordnen. Deshalb entstanden Hausnamen, die sich über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hielten. Heute geraten viele dieser Namen zunehmend in Vergessenheit. Umso wichtiger ist es, die noch vorhandenen Erinnerungen festzuhalten, bevor sie verloren gehen.


Auf dieser Seite sollen nach und nach Informationen zu den einzelnen Häusern in Ahrdorf zusammengetragen werden. Geplant sind unter anderem:


  • historische und aktuelle Fotografien
  • bekannte Hausnamen
  • Baujahre
  • frühere Bewohner und Eigentümer
  • Berufe und Handwerksbetriebe
  • besondere Ereignisse und Geschichten
  • alte Dokumente, Karten oder Zeitungsberichte


Dieses Projekt lebt von den Erinnerungen und dem Wissen der Menschen. Deshalb freue ich mich über Hinweise, Fotos, Dokumente und Erzählungen aus der Bevölkerung. Oft sind es gerade die kleinen Geschichten und persönlichen Erinnerungen, die Dorfgeschichte lebendig machen.


Wer Informationen oder Bildmaterial beitragen möchte, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen. Gemeinsam können wir dazu beitragen, ein wichtiges Stück Ahrdorfer Geschichte zu bewahren. Wer Fehler findet oder Angaben, die zweifelhaft sind oder an dieser Stelle weggelassen werden sollten, sollte sich ebenfalls gerne melden.

Die Ansichtskarte der Gaststätte Romes, verschickt im Jahre 1915, zeigt - im Vergleich zu heute - ein ganz anderes Ortsbild. Das 1929 eingeweihte Schulgebäude fehlt ebenso wie das Denkmal, das Bürgerhaus und viele andere Häuser. Dafür sind Häuser zu sehen, die es längst nicht mehr gibt. Das liegt besonders an den Zerstörungen, die der Luftangriff vom 25.12.1944 angerichtet hat.


Das Foto, das als Vorlage für die Ansichtskarte diente, entstand in der Zeit zwischen 1910 und 1913, während des Baus der Eisenbahnstrecke Ahrdorf - Blankenheim (Wald). Bei dem flachen Bau im oberen Bildteil handelt es sich um eine Baracke, die wohl als Unterkunft für die vielen beim Bahnbau beschäftigten Fremdarbeiter diente. Der Name "Romes" wurde übrigens auch zum Hausnamen. Ältere Ahrdorfer kennen zum Beispiel noch "Rommesse Änn", die in Wirklichkeit Anna Bilger hieß und eine geborene "Romes" war. 


Im Zuge des Bahnbaus entstanden auch neue Häuser. Ahrdorf war ein Abzweigbahnhof und man erwartete gute Geschäfte und zusätzliche Arbeitsplätze. So entstand zum Beispiel der Gasthof Schmitz, später als "Hubertushof" bezeichnet.


Entstehung und Gebrauch von Hausnamen

Hausnamen entstanden vor allem in ländlichen Regionen wie der Eifel aus einem ganz praktischen Bedürfnis heraus: Menschen mussten eindeutig unterschieden werden. In kleinen Dörfern gab es oft nur wenige Familiennamen, die sich ständig wiederholten. Wenn beispielsweise mehrere Familien mit dem Namen „Schmitz“ oder „Müller“ im selben Ort lebten, reichte der Nachname allein nicht mehr aus. Deshalb entwickelte sich über Generationen hinweg ein eigenes System von Haus- und Hofnamen.


Der Hausname bezog sich ursprünglich nicht auf die Person, sondern auf das Anwesen selbst. Wer in ein Haus einheiratete oder es übernahm, wurde häufig automatisch mit dem Hausnamen bezeichnet – selbst wenn der eigene Familienname eigentlich ein anderer war. Dadurch konnten sich Hausnamen über Jahrhunderte erhalten, obwohl die Familien wechselten.


Andererseits änderten sich mit dem Besitzerwechsel manchmal auch die Hausnamen. In Ahrdorf beispielsweise wurde aus "Nöimanns" (Neumanns) "Massongs", aus "Märx" wurde "Albrechts" und aus "Schmitze" wurde "Jehlens" (Gehlen).


Die Entstehung der Hausnamen hatte unterschiedliche Ursprünge:


  • Nach dem Beruf

    Viele Hausnamen leiteten sich vom Beruf eines Bewohners ab. Beispiele in Ahrdorf wären Namen wie „Schmitze“ (Schmied), „Mülle“ (Müller), Poss (Poststation) oder „Jlaaskrämesch“ (Glaskrämer).


  • Nach Vornamen oder Familiennamen

    Oft wurde ein prägender Bewohner namensgebend. Aus „Johann“ konnte etwa „Jans“, aus „Peter“ „Pittesch“ oder aus „Josef“ „Juppes“ werden. In Ahrdorf erinnern die Hausnamen "Schrüedeschjans" (wohl von einem Johann Schröder), "Stoffels" (von Christoph (Stoffel) Weber) oder der bereits erwähnte Hausname "Rommesse" an dieses Vorgehen.


  • Nach Eigenschaften oder Besonderheiten

    Manche Namen bezogen sich auf die Lage oder ein Merkmal des Hauses, etwa eine krumme Bauweise, besondere Farben oder auffällige Gegebenheiten.


  • Nach Herkunft

    Zog eine Familie aus einem anderen Ort zu, konnte auch die Herkunft zum Hausnamen werden.


  • Nach alten Hof- oder Flurnamen

    Besonders bei älteren Höfen gingen Hausnamen häufig auf historische Bezeichnungen des Grundstücks zurück. In Ahrdorf waren das zum Beispiel "Nössjes" für die Flurbezeichnung "Nüßgespesch" oder "Heppesch" für die Flurbezeichnung "Im Hebbertsgarten".


In der Eifel waren Hausnamen weit mehr als bloße Spitznamen. Sie waren Teil der dörflichen Ordnung und Identität. Im Alltag wurden Menschen oft ausschließlich mit ihrem Hausnamen angesprochen. Nicht selten wusste jemand im Dorf mit dem offiziellen Familiennamen wenig anzufangen, während der Hausname sofort Klarheit schuf.


Sprachlich sind viele Hausnamen eng mit den regionalen Dialekten verbunden. Gerade im Rheinland und in der Eifel entstanden zahlreiche mundartliche Formen, die sich von Dorf zu Dorf unterscheiden konnten. Dadurch sind Hausnamen heute auch ein wertvolles Zeugnis regionaler Sprachgeschichte.


Mit der Einführung moderner Verwaltungssysteme, Hausnummern und Meldeämter verlor die praktische Bedeutung der Hausnamen allmählich an Gewicht. Hinzu kamen gesellschaftliche Veränderungen: Neubaugebiete entstanden, alte Höfe verschwanden, Familien zogen weg oder Häuser wechselten häufiger die Besitzer. Dadurch drohen viele traditionelle Hausnamen heute verloren zu gehen. Auch die Entwicklung, dass immer weniger Menschen "Platt" sprechen, spielt eine Rolle.


Gerade deshalb sind Projekte wie die Dokumentation der Häuser und Hausnamen von Ahrdorf kulturhistorisch sehr wertvoll. Sie bewahren nicht nur Namen, sondern auch Erinnerungen an die Lebenswelt früherer Generationen.


Ahrdorfer Häuser

Im Jahre 1687 zählte Ahrdorf 15 Häuser, 1849 waren es etwa 30. Danach änderte sich zunächst einmal wenig. Das Elend in den folgenden Jahrzehnten ließ auch aus Ahrdorf viele Menschen ihr Glück in Amerika suchen. Die Häuser der Auswanderer wurden in der Regel verkauft. Die Bevölkerung und damit auch die Zahl der Häuser stagnierte. In dem 1893 erschienenen Buch über die Pfarreien im Dekanat Blankenheim ist die Rede davon, dass Ahrdorf damals immer noch etwa 30 Häuser und 150 Einwohner hatte.


Und so gab es postalisch in Ahrdorf lange Zeit nur eine einzige Straße: die "Dorfstraße". Ich erinnere mich noch, dass mein Elternhaus die Adresse "Dorfstraße 33" hatte. Irgendwann nach der kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen, verbunden mit der Zuordnung der zuvor selbständigen Gemeinde Ahrdorf zur Gemeinde Blankenheim, wurden dann die heutigen Straßenbezeichnungen eingeführt: Hubertusstraße, Dorseler Weg, An der Mühle, Bienengarten, Zur Kapelle, Schönebergstraße, Uedelhovener Weg, Im Acker. Dazu gibt es noch die Bundesstraße B 258, außerdem zwei "Exoten": der abseits des Ortes gelegene ehemalige Bahnhof Ahrdorf und Haus Ruland, ein ehemaliges Eisenbahnerhaus, das sich in Bahnhofsnähe befindet.


Die Ahrdorfer Häuser werden nachfolgend nach den heutigen Straßenbezeichnungen aufgelistet. Bei den Namen von Bewohnern muss man leider den Datenschutz berücksichtigen, sodass ich Informationen über lebende Personen nur mit deren Einverständnis aufführe. In diesem Sinne unverdächtig ist ein Häuserverzeichnis, welches ein Pastor Rütten am 13. Oktober 1887 erstellt hat. Darin sind die Hausnamen - ins Hochdeutsche "übersetzt" - aufgeführt, außerdem die Besitzer mit Beruf und damaligem Alter. Die weiteren Angaben beruhen teilweise auf Dokumenten, teilweise auf Annahmen, teilweise auf meiner Erinnerung. Aktuelle Besitzer werden, wie bereits angedeutet, aus Datenschutzgründen überwiegend weggelassen.


An der Mühle

An der Mühle 2, 4 und 6, Hausname: Mülle

  • Baujahr: vor 1575
  • Ableitung des Hausnamens: nach dem Beruf bzw. der Eigenschaft als Mühle.

Das undatierte Foto zeigt die drei Mühlräder der Mühle, dahinter das im oberen Teil als Fachwerkbau ausgeführte Wohnhaus. Oben thront die Ahrdorfer Kapelle.


Die Aufnahme um das Jahr 1900 entstanden sein. 


Frühe bekannte Müller und Pächter:

  1. 1575: Wilhelm, Müller zu Ahrdorf
  2. 1629 – ca. 1680: Arnoldt Müller und Anna Müller-Meyer
  3. ab 1682: Caspar Müller
  4. um 1710 – 1769: Servatius („Servas“) Müller
  5. 1757 – ca. 1764/65: Lambert Hoffmann
  6. ab ca. 1765: Peter Schröder
  7. ca. 1783 – 1787/88: Joseph Pickartz

Familie Blum und spätere Bewohner


Peter Blum und Anna Dreimüller

  • Peter Blum (* ca. 1756 auf der Ripsdorfer Mühle, † 1831 in Ahrdorf)
  • verheiratet mit Anna Dreimüller (* 1764, † 1835)
  • Müller in Ahrdorf ab 1795
  • Erwerb der Mühle im Jahr 1803

Hubert Blum und Veronika Baltes

  • Hubert Blum (* 1798, † 1858)
  • verheiratet mit Veronika Baltes (* 1803, † 1861)
  • Müller ab 1829

Joseph Blum und Amalia Rosa Blandine Stollenwerk

  • Joseph Blum (* 1830, † 1876)
  • verheiratet mit Amalia Rosa Blandine Stollenwerk (* 1840, † 1896)
  • Müller ab 1872

Heinrich Caspers und Amalia Blum-Stollenwerk

  • Heinrich Caspers (* 1846 in Mirbach)
  • verheiratet mit der Witwe Amalia Blum-Stollenwerk
  • Müller ab 1878

Peter Blum und Anna Maria Bauer

  • Peter Blum (* 1873, † 1914)
  • verheiratet mit Anna Maria Bauer (* 1878, † 1961)
  • Müller ab etwa 1902

Johann Schmitz und Anna Maria Bauer

  • Johann Schmitz, Rufname "Mülle Schang" (* 1887, † 1967)
  • verheiratet mit der Witwe Anna Maria Bauer
  • Müller ab etwa 1921

Eduard Schmitz und Agnes Caspers

  • Eduard Schmitz, Rufname "Mülle Eed" (* 1919)
  • verheiratet mit Agnes Caspers aus Dollendorf
  • Müller ab etwa 1962

Die Ahrdorfer Mühle gehört zu den ältesten Gebäuden des Dorfes Ahrdorf und ist nach der Kapelle vermutlich das zweitälteste erhaltene Bauwerk des Ortes. Später wurde sie vor allem unter dem Namen „Blums-Mühle“ bekannt. Der traditionelle Hausname „Mülle“ erinnert bis heute an die jahrhundertelange Nutzung als Mühle und an die dort lebenden Müllerfamilien.


Die Ursprünge der Mühle reichen weit in die Vergangenheit zurück. Bereits im Jahr 1575 wird die Ahrdorfer Mühle in einem Lagerbuch der Grafschaft Gerolstein erwähnt. Dort werden neben dem Mühlengebäude auch Scheunen, Stallungen und Wiesen beschrieben. Schon damals gehörte die Mühle zu den wichtigen Wirtschaftsbetrieben der Region.


Im 16. und 17. Jahrhundert besaß die Mühle eine besondere Bedeutung für die umliegenden Orte. Die Bewohner von Dorsel und später auch von Uedelhoven erhielten das Recht, ihr Getreide in Ahrdorf mahlen zu lassen. Die Ahrdorfer Mühle war eine sogenannte Bannmühle. Das bedeutete, dass bestimmte Orte verpflichtet waren, ihr Korn ausschließlich dort mahlen zu lassen.


Über viele Generationen hinweg wurde die Mühle von verschiedenen Müllerfamilien betrieben. Zu den frühen bekannten Müllern gehörten Arnoldt Müller und später Caspar Müller. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wechselten die Pächter mehrfach, unter anderem waren die Familien Hoffmann, Schröder und Pickartz mit der Mühle verbunden.


Eine entscheidende Phase begann 1795 mit dem Müller Peter Blum aus Ripsdorf. Er übernahm die Mühle zunächst als Pächter der Grafen von Manderscheid-Blankenheim. Kurz zuvor war die Mühle umfangreich erweitert worden; unter anderem erhielt sie ein zweites Mühlrad. Nach der französischen Besetzung des Rheinlandes wurde der Besitz des Adels verstaatlicht. Peter Blum konnte die Mühle schließlich im Jahr 1803 erwerben. Seit dieser Zeit war die Mühle eng mit der Familie Blum verbunden und erhielt im Dorf den Namen „Blums-Mühle“.


Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Mühle weiter zu einem bedeutenden landwirtschaftlichen Betrieb. Laut dem preußischen Mühlenverzeichnis von 1830 verfügte sie über drei Wasserräder und zwei Mahlgänge. 


Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Blums-Mühle als Mahlmühle genutzt. Zusätzlich betrieb die Familie seit dem frühen 20. Jahrhundert ein Sägewerk. Wie viele Mühlen in der Eifel spielte auch die Ahrdorfer Mühle eine Rolle bei der frühen Stromversorgung der Region, da Mühlen zunehmend zur Stromerzeugung genutzt wurden.


Am 09.02.1954 wurde Johann Schmitz die Konzession erteilt, um in diesem Haus eine Gastwirtschaft mit drei Fremdenzimmern einzurichten. Der Gastraum befand sich im Erdgeschoss (rechts) und im Obergeschoss die Fremdenzimmer. Im Jahre 1964 übernahm Käthe Blum diese Gaststätte von Ihrem Stiefvater. Sie richtete in dem Gasthaus eine “Weinschenke” ein, welche etwa bis 1970 genutzt wurde. 


Die Sägemühle wurde von Eduard Schmitz noch bis etwa 1996 betrieben. Durch An- und Umbauten sind in dem Gebäudekomplex der ehemaligen Mühle mehrere Wohneinheiten entstanden, weshalb es dort gleich drei Hausnummern gibt.


Der Gebäudekomplex erinnert an die lange Geschichte des Müllerhandwerks in Ahrdorf und an die Menschen, die dort über Jahrhunderte lebten und arbeiteten.


Hubertusstraße 1, Hausname: Nateße

  • Baujahr: nicht bekannt
  • Ableitung des Hausnamens: nicht bekannt. 

Das Haus Nateße existiert heute nicht mehr. Beim Luftangriff auf Ahrdorf am 25. Dezember 1944 erhielt es einen Volltreffer und wurde vollständig zerstört. Dabei kam die Bewohnerin Margarete Krebs ums Leben. An der Stelle des ehemaligen Wohnhauses wurde später das Gebäude errichtet, das heute als Bürgerhaus genutzt wird.


Das Gebäude entspricht dem für die Eifel lange Zeit typischen Einhaus: Wohnbereich, Stall und Wirtschaftsraum waren unter einem gemeinsamen Dach vereint. Besonders auffällig ist das große, mit Stroh oder Reet gedeckte Dach, das dem Haus sein charakteristisches Erscheinungsbild verleiht. Die Szene vermittelt einen lebendigen Eindruck vom Alltag in einem Eifeldorf zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Links im Bild ist ein Rind zu erkennen, das auf die enge Verbindung von Wohnen und Landwirtschaft hinweist. Die unbefestigte Dorfstraße und die schlichte Bauweise der Häuser spiegeln die ländlichen Lebensverhältnisse jener Zeit wider.


Das Gebäude gleich hinter dem Haus diente laut Häuserverzeichnis von Pastor Rütten als Stall. Ob dieser Stall zum Haus Nateße oder dem ganz im Hintergrund erkennbaren Haus Nössjes gehörte, ist nicht bekannt. Wie eine Flurkarte von 1908 zeigt, hat es sich um einen gesonderten Gebäudekomplex gehandelt, das offenbar aus der typischen Konstellation von Wohn- und landwirtschaftlichen Gebäuden bestand, die - so sagt es das Häuserverzeichnis von 1887 - später in eine Stallung umgebaut wurden.


Die abgebildete Fotografie wurde übrigens von Peter Weber aus Wershofen aufgenommen und entstand vermutlich im Jahr 1914. Weber hielt sich im Mai 1914 anlässlich der Hochzeit seines Bruders Johann in Ahrdorf auf. Heute besitzt die Aufnahme einen besonderen dokumentarischen Wert, da das Haus Nateße nicht mehr existiert.


Peter Weber fotografierte bereits in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Seine auf Glasplatten aufgenommenen Fotografien wurden im Jahr 2004 dem LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte vollständig als Schenkung überlassen.


Zwischen der Aufnahme von 1914 und dem Jahr 1940 muss es an dem Gebäudeensemble starke Veränderungen gegeben haben. Eine Ortsansicht von 1940 zeigt nämlich eine andere, modernere Gebäudeart. Offenbar wurde das alte Haus abgerissen und an gleicher Stelle ein neues Haus mit landwirtschaftlichen Nebengebäuden errichtet.


Besitzer


Die einzige verlässliche Quelle zu den Eigentumsverhältnissen ist das bereits erwähnte Häuserverzeichnis von Pastor Rütten aus dem Jahr 1887. Dort werden Josef Radermacher und Gertrud Krebs als Eigentümer des Hauses genannt. Als weiterer Bewohner ist lediglich ein Pflegekind namens Niklas Häp verzeichnet. Daraus lässt sich vermuten, dass das Ehepaar keine eigenen Kinder hatte. Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass im Taufregister von Ahrdorf keine Kinder des Paares nachweisbar sind.


Offenbar blieb das Haus jedoch im Besitz der Familie.  Darauf weisen die Namen der Bewohner hin. Die beim Luftangriff am 25. Dezember 1944 im Stall des Hauses Nateße ums Leben gekommene Margarete Krebs, geboren am 7. August 1895, war die Tochter von Christian Krebs und Luzia Schmitz.


Hubertusstraße 5, Hausname: Nössjes

  • Baujahr: nicht bekannt, vermutlich frühes 19. Jahrhundert
  • Ableitung des Hausnamens: Flurbezeichnung "Im Nüßgespesch".

Besitzer:

  1. Hubert Brang (*02.09.1834, + 24.01.1917). Hubert blieb unverheiratet. Im Haus lebten 1887 noch sein ebenfalls unverheiratete Bruder Peter Josef, außerdem Matthias Brang mit Familie, siehe 2.  
  2. Matthias Brang (* 05.11.1855, + 19.10.1927) und Anna Barbara Engel (*02.03.1860, + 27.07.1942)
  3. Sebastian Josef Keul (* 28.10.1900, + 11.09.1944) und Amalie Brang (08.08.1897, + 30.04.1956)
  4. Sebastian Keul (* 30.09.1927, + 03.08.1998) und Dorothea Radermacher (* 29.09.1930, + 12.02.2012)

Das Foto zeigt die im Mai 1914 vor dem Elternhaus der Braut versammelte Hochzeitsgesellschaft von Johann Weber und Luise Brang in Ahrdorf. Fotografiert wurde die Szenerie von Peter Weber aus Wershofen, einem Bruder des Bräutigams. 


Peter Weber hat bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts fotografiert. Seine auf Glasplatten aufgenommenen Fotografien wurden dem LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte 2004

vollständig als Schenkung überlassen.


Der 2. Weltkrieg brachte auch hier viel Unglück über das Haus und seine Bewohner. Der damalige Besitzer, Sebastian Josef Keul, starb am 11.09.1944 bei dem Luftangriff auf einen Personenzug bei Losheimergraben, der insgesamt 15 Ahrdorfer Jungen und Männer das Leben kostete. Nur gut drei Monate später, am 25.12.1944, wurde das Haus bei dem bereits erwähnten Bombenangriff schwer beschädigt. Was noch schlimmer war: Willi Keul, jüngstes Kind von Sebastian Josef und Amalie, verlor durch einen Bombensplitter seinen rechten Arm.  


Die zur Witwe gewordene Amalie Keul, geb. Brang, baute das Haus nach dem Kriege wieder auf, unterstützt durch ihre Kinder, allen voran Sebastian Keul, der das Haus nach dem Tode seiner Mutter übernahm.


Hubertusstraße 9, Hausname: Stoffels

  • Baujahr: um 1930
  • Ableitung des Hausnamens: vom Vornamen des Erbauers Christoph Weber. "Stoffel" ist eine rheinische Kurzform von Christoph oder Christoffel

Besitzer:

  1. Christoph Weber (* 14.03.1899, + 11.09.1944) und Agnes Jüngling (+ 1981)
  2. Franz Weber (08.09.1927, + 18.02.1974) und Katharina Puderbach (12.01.1928, + 18.01.2005)

Christoph Weber war Schuhmachermeister. Er stammte aus Aremberg, seine Ehefrau Agnes aus Rodder. Wann das Ehepaar nach Ahrdorf kam, ist nicht bekannt. Das älteste ihrer fünf Kinder, Franz, wurde jedoch bereits in Ahrdorf geboren.


An der Stelle ihres Hauses hatte zuvor offenbar schon ein Gebäude gestanden. Auf einem Foto aus der Bauzeit ist deutlich eine alte, noch mit Stroh gedeckte Scheune zu erkennen. Sie musste später einem Neubau weichen. Dort richtete Christoph Weber seine Schuhmacherwerkstatt ein. Neben Reparaturen konnten die Kunden bei ihm auch neue Schuhe erwerben.


Heute sind Schuhmacher selten geworden. Schuhe werden meist ersetzt, sobald sie verschlissen sind oder nicht mehr gefallen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das anders. Die meisten Familien besaßen nur wenige Paar Schuhe, die über Jahre getragen und immer wieder repariert wurden. Schuhmacher fertigten neue Schuhe an, erneuerten Sohlen und Absätze und besserten beschädigtes Schuhwerk aus. Entsprechend wichtig war ihr Handwerk für die Bevölkerung.


Das Geschäft von Christoph Weber entwickelte sich gut. Auch Kunden aus den umliegenden Orten kamen nach Ahrdorf, um seine Dienste in Anspruch zu nehmen. Früh war daher vorgesehen, dass Sohn Jakob, geboren am 10. Januar 1929, später die Werkstatt übernehmen sollte. Doch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs machten diese Pläne zunichte.


Am 11. September 1944 wurden Christoph Weber und sein Sohn Jakob zusammen mit weiteren Männern aus Ahrdorf zum Schanzen an den Westwall abkommandiert. Der Zug, mit dem sie unterwegs waren, wurde von amerikanischen Jagdbombern angegriffen. Insgesamt verloren 15 Ahrdorfer bei diesem Angriff ihr Leben, unter ihnen auch Christoph und Jakob Weber.


Für Agnes Weber begann damit eine schwere Zeit. Sie musste die vier verbliebenen Kinder allein versorgen. Anders als ursprünglich geplant, erlernte nun ihr ältester Sohn Franz das Schuhmacherhandwerk und führte den Familienbetrieb weiter. Er gründete eine eigene Familie und übernahm Haus und Werkstatt.


Neben seiner Tätigkeit als Schuhmacher war Franz Weber auch als Waldarbeiter aktiv. Dabei ereignete sich am 18. Februar 1974 ein tragischer Unfall, an dessen Folgen er verstarb.


Das Haus befindet sich bis heute im Besitz der Familie.


Hubertusstraße 8, Hausname: Schmitze, später Jehlens

Blick auf den Hubertushof in den 1950er Jahren
  • Baujahr: um 1910
  • Ableitung des Hausnamens: vom Nachnamen der jeweiligen Hausbesitzer

Besitzer:

  1. Michael Schmitz (* 1. März 1876, + 10.05.1961) und Elisabeth Berens (* 12.01.1891, + 24.03.1974)
  2. Hans Gehlen (* 1917, + 1982) und Ursula Hufnagl (* 01.07.1932, + 21.09.2018)

Eines der imposantesten Häuser in Ahrdorf ist zweifellos der Hubertushof. Über viele Jahrzehnte war das stattliche Gebäude Gastwirtschaft und Lebensmittelgeschäft zugleich. Heute wird es nur noch als Wohnhaus genutzt. Doch die Geschichte des Hauses ist eng mit der Entwicklung Ahrdorfs, dem Eisenbahnbau und dem gesellschaftlichen Leben des Dorfes verbunden.


Ein Haus entsteht im Zeitalter der Eisenbahn


Begonnen hatte alles mit dem Bau der Eisenbahnen in Ahrdorf und Umgebung. Ab 1909 waren zahlreiche Arbeiter mit dem Bau der Strecken Dümpelfeld–Lissendorf und Ahrdorf–Blankenheim (Wald) beschäftigt. Die vielen Menschen, die nun nach Ahrdorf kamen, brachten Leben in das bis dahin eher ruhige Dorf.


Mit der Fertigstellung der Bahnlinien im Jahr 1912 beziehungsweise 1913 eröffnete sich für Ahrdorf eine völlig neue Perspektive. Der Ort wurde zum Eisenbahnknotenpunkt und damit auch für Reisende und Erholungssuchende interessant. Die reizvolle Landschaft rund um Ahrdorf versprach zudem einen zunehmenden Ausflugs- und Fremdenverkehr.


Der aus Birgel stammende Kaufmann Michael Schmitz, geboren am 1. März 1876, erkannte offenbar früh die sich daraus ergebenden Möglichkeiten. Er gab sein bisher in Dollendorf betriebenes Geschäft auf und beschloss, in Ahrdorf ein neues Gebäude zu errichten, das sowohl eine Gastwirtschaft als auch ein Lebensmittelgeschäft beherbergen sollte.


Dazu kaufte er von der Familie Illigen ein Grundstück in der Ortsmitte. Das dort stehende ältere Haus wurde abgerissen und machte Platz für den Neubau.


Doch bevor Michael Schmitz seinen Gasthof eröffnen konnte, musste er zunächst einige bürokratische Hürden überwinden.


Der lange Weg zur Konzession


Bereits im März 1911 beantragte Michael Schmitz die Genehmigung zum Betrieb einer Gastwirtschaft. Doch die Behörden ließen sich Zeit. In Ahrdorf gab es bereits die Gaststätte Romes, und man wollte zunächst abwarten, wie sich die Verkehrsverhältnisse nach der Eröffnung der neuen Eisenbahnstrecke entwickeln würden.


Der Antrag wurde zunächst mit der Begründung abgelehnt, die örtlichen Verkehrsverhältnisse seien noch nicht geklärt und die Angelegenheit könne deshalb noch nicht entschieden werden. Erst die Inbetriebnahme der Bahnlinie Blankenheim–Ahrdorf sollte zeigen, ob tatsächlich Bedarf für eine weitere Gastwirtschaft bestand.


Michael Schmitz ließ sich davon jedoch nicht entmutigen. Er legte Widerspruch ein. Als dieser unbeantwortet blieb, wandte er sich schließlich an den Regierungspräsidenten. Daraufhin wurde die Angelegenheit dem Kreisausschuss zur Entscheidung vorgelegt.


Doch auch dort stieß Schmitz zunächst auf Widerstand. Die Ortspolizei- und Gemeindebehörde verneinte in einer gutachterlichen Stellungnahme den Bedarf für eine weitere Gastwirtschaft. Am 21. März 1912 wurde sein Antrag daher erneut abgelehnt.


Schmitz gab jedoch nicht auf und argumentierte, dass sehr wohl ein Bedarf für eine weitere, zeitgemäße Gastwirtschaft bestehe. Die vorhandene Gaststätte Romes könne „nicht als eine, den geringsten Ansprüchen gerecht werdende Unterkunftsstätte“ angesehen werden. Außerdem werde Ahrdorf durch seine neue Funktion als Bahnknotenpunkt für zahlreiche Reisende interessant. Er argumentierte sinngemäß, dass Reisende, die in Ahrdorf ankämen, dort auch eine angemessene Unterkunft finden müssten.


Mit dieser Argumentation hatte Michael Schmitz schließlich Erfolg.


Der Kreisausschuss erkannte den Bedarf an und begründete seine Entscheidung unter anderem mit der bevorstehenden Veränderung der Verkehrsverhältnisse:


„Es kann nicht geleugnet werden, dass durch die bald erfolgende Inbetriebsetzung der Bahnstrecke Ahrdorf – Blankenheim eine völlige Umwälzung der augenblicklichen Verkehrsverhältnisse eintreten wird. Von dieser Veränderung der Verhältnisse wird der Ort Ahrdorf als Knotenpunkt zweier Bahnstrecken ganz besonders betroffen werden.“


Weiter stellte der Kreisausschuss fest, dass Reisende, die mit einem späten Abendzug in Ahrdorf einträfen und ihre Reise nicht fortsetzen könnten oder wollten, eine Unterkunft benötigten. Die vorhandene Gaststätte Romes könne diese Ansprüche nicht erfüllen. Damit war der Weg für die neue Gastwirtschaft frei.


Eine besonders bemerkenswerte Passage findet sich am Ende des Schreibens des Kreisausschusses. Dort wird bedauert, „dass das einem gefälligen Anblick bietende Haus des Klägers, das jetzt ringsum von Düngerhaufen umgrenzt ist, nicht an einer landschaftlich besseren Stelle gelegen ist“. Ein Satz, der heute sicherlich für ein Schmunzeln sorgt – und zugleich einen interessanten Einblick in das damalige Ortsbild gibt.

Hochzeitsgesellschaft vor dem Hubertushof im Jahre 1914

Auf dem nachträglich kolorierten Foto aus dem Jahr 1914, das anlässlich der Hochzeit von Johann Weber aus Wershofen und Luise Brang aus Ahrdorf entstand, ist der Saal noch im Rohbau zu erkennen. Eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1918 zeigt dagegen bereits den fertiggestellten Anbau.


Der neue „Gasthof M. Schmitz“, der erst später den Namen „Hubertushof“ erhielt, entwickelte sich rasch zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt Ahrdorfs.


Hier trafen sich die Männer zum Frühschoppen und Kartenspielen. Die Vereine nutzten die Räumlichkeiten für Versammlungen und Feiern. Und im Lebensmittelgeschäft von Elisabeth Schmitz konnten die Ahrdorfer nahezu alles einkaufen, was sie für den täglichen Bedarf benötigten.


Der Tante-Emma-Laden von Elisabeth Schmitz


Elisabeth Schmitz hat ihren späteren Mann Michael erst im Hubertushof kennengelernt. Die Geschichte ihrer Beziehung könnte aus einem Kitschroman stammen. Als Michael das Projekt Hubertushof begann, war er mit Luzia Caspers verheiratet. Tragischerweise starb Luzia 1912 und in seiner Not suchte der Witwer per Zeitungsannonce eine Verkäuferin für das Lebensmittelgeschäft. Auf diese Annonce hin meldete sich Elisabeth Berens aus Ruwer an der Mosel, die bereits eine Lehre als Verkäuferin absolviert hatte. Elisabeth bekam die Stelle und zog nach Ahrdorf. Im Laufe der Zeit verliebten sich Michael und Elisabeth ineinander und heirateten schließlich im Jahre 1915. 


Die Menschen, die Elisabeth Schmitz gekannt haben, beschreiben sie als liebenswürdige und herzensgute Frau, die immer ein freundliches Wort für ihre Kunden hatte. Besonders die Kinder, die häufig zum Einkaufen geschickt wurden, konnten bei ihr auf ein kleines „Extra-Kamellchen“ hoffen.


Eine Zeitzeugin hat die besondere Atmosphäre im Laden von Elisabeth Schmitz später so beschrieben:


„Zum Einkaufen bei der lieben Frau Schmitz brauchte uns keiner zweimal zu bitten. Es war immer schön, bei ihr im Laden zu stehen und ihr zuzuschauen, wie sie uns Waren herbeiholte oder abwog. Zucker, Salz und noch einiges, war nicht in Kilotüten verpackt. Heringe aus dem Fass oder Rübenkraut aus dem großen Eimer, alles musste gezählt oder gewogen werden. Man weiß es schon fast nicht mehr. Jedenfalls, es gab keine Selbstbedienung. Hatte sie dann alles zusammengerechnet, konnte man auch ins mitgebrachte Büchlein schreiben lassen oder man bezahlte bar. Aber immer gab es für uns Kinder Bonbons, damals auch Rahmkamelle. Dann waren wir glücklich und zogen ab.“


Die Erinnerung macht deutlich, wie sehr sich das Einkaufen seit jener Zeit verändert hat. Selbstbedienung gab es nicht. Die Waren wurden vom Händler abgewogen, abgezählt oder aus großen Behältern abgefüllt. Auch das Bezahlen funktionierte häufig anders als heute. Viele Kunden ließen ihre Einkäufe anschreiben und beglichen die Rechnung erst am Monatsende. Nicht selten wurde dabei mit Naturalien bezahlt – etwa mit Eiern oder Butter. Geld war knapp, und nahezu jeder Haushalt betrieb nebenbei eine kleine Landwirtschaft. Was lag also näher, als einen Teil der eigenen Erzeugnisse gegen andere Waren einzutauschen?


Gesangprobe Concordia Ahrdorf

Krieg, Flüchtlinge und Weihnachtsschmuck


Die beiden Weltkriege überstand der Hubertushof weitgehend unbeschadet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte jedoch auch in Ahrdorf das Leben nicht einfach zur Normalität zurück. Ein Glasbläser, der als Flüchtling mit seiner Familie und einigen Mitarbeitern aus dem Gablonzer Raum in Nordböhmen nach Ahrdorf gekommen war, mietete den Saal des Hubertushofes. Dort nahm er unter der Firmierung „Eifelglas Fischer & Schöbel KG“ die Produktion von Weihnachtsschmuck und ähnlichen Glasartikeln auf. Wie lange die Firma in Ahrdorf produzierte, lässt sich heute leider nicht mehr genau feststellen.


Später kehrte der Saal wieder zu seiner ursprünglichen Nutzung zurück. Er wurde unter anderem für die Ahrdorfer Kirmes, für Proben des Gesangvereins „Concordia Ahrdorf“, für Versammlungen und andere Veranstaltungen genutzt.


Die letzten Jahrzehnte als Gastwirtschaft


Um das Jahr 1959 verkauften Elisabeth und Michael Schmitz den Hubertushof und zogen in das neu gebaute Haus ihres Sohnes Alfred. Michael Schmitz starb am 10. Mai 1961, seine Frau Elisabeth am 24. März 1974.


Die neuen Eigentümer, Hans und Ursula Gehlen, führten die Gastwirtschaft und das Lebensmittelgeschäft weiter. Bis zum Tod von Hans Gehlen im Jahr 1982 konnte man im Hubertushof noch jene besondere Atmosphäre erleben, die man heute mit dem Begriff „Tante-Emma-Laden“ verbindet. Daran kann ich mich noch gut erinnern, denn als Kind wurde auch ich häufiger zum Einkaufen geschickt: Die Fleischwurst wurde scheibenweise verkauft und mit einer handbetriebenen Aufschnittmaschine geschnitten, der Käse mit einem manuellen Käseschneider. Und natürlich gab es auch das Rabattmarkenheftchen, in das die gesammelten Marken eingeklebt wurden. Es war eine andere Zeit – persönlicher, langsamer und mit deutlich mehr direktem Kontakt zwischen Händler und Kunde.


Nach der Aufgabe des Lebensmittelgeschäfts zog für kurze Zeit noch ein Schuster in die ehemaligen Ladenräume ein. Doch auch diese Nutzung währte nicht lange.


Der Hubertushof heute


Heute wird der Hubertushof noch von Alexander Gehlen bewohnt. Die Zeiten, in denen man im Dorf Lebensmittelgeschäft, Gastwirtschaft und gesellschaftlichen Treffpunkt unter einem Dach fand, sind längst vorbei.


Der Hubertushof ist heute vor allem ein Wohnhaus. Doch seine Mauern erzählen noch immer ein Stück Ahrdorfer Geschichte: von der Ankunft der Eisenbahn, von Reisenden und Ausflüglern, von Tanzveranstaltungen und Vereinen, vom täglichen Einkauf im Tante-Emma-Laden, von Krieg und Nachkriegszeit und von Menschen, die über Jahrzehnte hinweg das gesellschaftliche Leben des Dorfes prägten.


Vielleicht ist genau das die Besonderheit dieses Hauses: Der Hubertushof war nie einfach nur ein Gebäude. Über viele Jahrzehnte war er ein Ort, an dem sich die Wege der Ahrdorfer kreuzten – und damit ein kleines Stück Dorfgeschichte unter einem Dach.


Ansichtskarten vom Hubertushof


In Zeiten des Mobiltelefons mit all seinen Funktionen wird die gute alte Ansichtskarte wohl bald aussterben. Früher war es eine gute Möglichkeit, den Lieben von der Urlaubs- oder Geschäftsreise einen Gruß zukommen zu lassen. 


Jedes Lokal und fast jede Pension in Ahrdorf hatte früher eigene Ansichtskarten. Auch vom Hubertushof sind einige erhalten geblieben. Nachfolgend eine Auswahl. Für eine größere Ansicht bitte klicken.


Uedelhovener Weg

Uedelhovener Weg 3, Hausname: Heppesch

  • Baujahr: nicht bekannt
  • Ableitung des Hausnamens: Flurbezeichnung "Im Hebbertsgarten".

Besitzer:

  1. Hubert Christmann (* 24.08.1813, + 06.03.1894) und Gertrud, geb. Leif (* 05.07.1830, + 05.02.1892)
  2. Johann Wirtz (* 08.01.1874, + 25.02.1934) und Christina, geb. Christmann (* 28.09.1862, + 25.12.1944)
  3. Hubert Wirtz (* 08.07.1885, +09.02.1964) und Anna Christina Schröder (* 12.06.1889, + 09.05.1963)
  4. Josef Frings (* 26.10.1923, + 11.06.1991) und Agathe, geb. Wirtz (* 05.02.1923, + 10.03.2005)
  5. Peter Frings (* 11.09.1955, + 09.01.1993)

Das Haus wurde bei dem Luftangriff auf Ahrdorf am 25.12.1944 schwer beschädigt. In den Trümmern starben Christina Wirtz mit Tochter Franziska, außerdem der damalige Bahnhofsvorsteher von Ahrdorf, Theodor Krämer. Die zweite Tochter, Agathe Wirtz, wurde schwer verletzt und verlor ein Auge.

Heppesch in den 1940er Jahren

Nach dem Wiederaufbau des Hauses wurde die ehemalige Scheune Anfang der 1960 Jahre zu einer Bäckerei umgebaut, die von  Josef Frings (Heppesch Jupp) und Agathe Wirtz (Heppesch Jätt) geführt wurde. Bis zum Tod von deren Sohn Peter Frings (Heppesch Pitter) blieb das Haus immer in Familienbesitz, auch wenn sich durch Heirat die Namen änderten. Danach wurde es zunächst vermietet und später verkauft.


Das Foto zeigt den Gebäudekomplex Heppesch nach dem Umbau. Rechts vom Fallrohr der Dachrinne befand sich die Backstube, links hinter dem großen Fenster der Verkaufsraum der Bäckerei.


Die Bäckerei zog viele Menschen aus der Umgebung und auch viele Urlauber aus dem Feriendorf und dem Campingplatz der heutigen Frings-Mühle an. Die Vielfalt der angebotenen Backwaren war zwar überschaubar, aber das, was man dort kaufen konnte, war ausgesprochen lecker. Egal ob Brot, Brötchen, Nussecken, Apfeltaschen, Puddingteilchen oder der Kuchen.... es schmeckte einfach wunderbar. 


Doch nicht nur das: Das Ehepaar Frings und auch Sohn Peter waren echte Eifeler Originale. Man ging gerne zum Bäcker. Es war immer Zeit für einen Plausch und als Kind konnte man sich schon mal eine Mark verdienen, wenn man für einen der Heppeschs mal schnell zum Automaten ging und eine Schachtel Zigaretten holte. 



... wird fortgesetzt...