Am 1. August 1914 beginnt der Erste Weltkrieg. Die Kriegsbegeisterung im Land ist groß und das Deutsche Reich strotzt vor Selbstvertrauen. 1871 hatte man den Krieg gegen den Erzfeind Frankreich gewonnen, Elsass-Lothringen ins Reich einverleibt und war in den 1880er Jahren sogar zu einer Kolonialmacht geworden. Überall im Reich herrscht Aufbruchsstimmung, man hat eine starke Armee. Was soll schon groß passieren? Auf den Waggons, die die Soldaten an die Front transportierten, stehen Sprüche wie "Weihnachten sind wir wieder zu Hause!".
Ob diese Stimmung auch in Ahrdorf geherrscht hat, ist nicht überliefert. In der Schulchronik heißt es lapidar:
"Am 1. August fand die Kriegserklärung statt. Herr Lehrer Lich aus Uedelhoven wurde einberufen. Lehrer Marien übernahm die Vertretung der Schule zu Uedelhoven. Es mußte Halbtagsunterricht angeordnet worden. Die Schule in Ahrdorf fasst 30 Kinder, die Schule zu Uedelhoven zählt 89 Kinder."
Fakt ist, dass der Bahnhof Ahrdorf in dieser Zeit stark frequentiert war. Auf der am 1. Juli 1912, also nur gut zwei Jahre vor Beginn des Krieges, eröffneten Strecke Dümpelfeld - Ahrdorf - Hillesheim - Lissendorf - Jünkerath rollen in den ersten Wochen des Krieges hunderte Militärzüge in Richtung Westfront. Der Aufmarsch im Westen ist minutiös geplant und läuft tatsächlich wie ein Uhrwerk. Es gibt insgesamt 13 sogenannte Transportstraßen, auf denen Soldaten und Material per Eisenbahn zur Front gebracht werden und eine davon ist die Strecke Köln - Remagen - Dümpelfeld - Ahrdorf - Lissendorf - Jünkerath.
Anders als erhofft, ist man Weihnachten nicht zu Hause und der Krieg entwickelt sich zu einem zermürbenden Stellungskrieg. Im März 1915 sind die ersten gefallenen Ahrdorfer Soldaten zu beklagen. Auch in der Heimat werden die Auswirkungen des Krieges zunehmend spürbar. In der Schule fällt zeitweise der Unterricht aus, weil die Schulkinder Früchte oder Pflanzen sammeln müssen, die bei der Armee Verwendung finden. Im März 1916 wird der Ahrdorfer Lehrer Marien zum Militärdienst berufen. Die Schule wird in der Folge durch Lehrer anderer Orte provisorisch mitverwaltet, bevor Marien nach kurzer Zeit wieder zurückkehrt.






























