Die Kapelle von Ahrdorf - eine Geschichte von mehr als tausend Jahren

Einleitung: TERRIBILIS EST LOCUS ISTE

Beschreibung der Kapelle und ihr Inventar

Die vier Marschälle von Ahrdorf

Bauliche Entwicklung der Kapelle

TERRIBILIS EST LOCUS ISTE - ehrfurchtgebietend ist dieser Ort

Terribilis est locus iste: (ehr)furchtgebietend ist dieser Ort. Dieser Satz steht eingemeißelt in der Umrahmung des Westportals der Kapelle, die dem heiligen Hubertus geweiht ist.

Der Satz stammt aus dem alten Testament (Buch Genesis 28/17) und stellt sich im Kontext wie folgt dar:

"Terribilis est locus iste:
hic domus Dei est, et porta caeli:
et vocabitur aula Dei"

"Ehrfurcht gebietend ist dieser Ort:
Hier ist Gottes Haus, die Pforte des Himmels
sie wird Wohnung Gottes genannt"



 

Diese Sätze sind gleichzeitig der Anfangstext eines Liedes, welches bevorzugt zur Kirchenweihe gesungen wurde. Das alles erklärt auch, warum gerade diese Inschrift über dem Kapellenportal angebracht wurde. Die Inschrift stammt aus dem Jahre 1710, die Kapelle jedoch ist wesentlich älter.

Die Kapelle Ahrdorf wurde bereits im Jahre 970 erstmals urkundlich erwähnt. In diesem Jahr stellte Graf Heinrich eine Schenkungsurkunde aus, mit der er die Kapelle in Ahrdorf der Abtei St. Maximin in Trier übertrug. In der Urkunde heißt es:

Ich habe dem hl. Bekenner Christi Maximin in Trier die Kirche in Üxheim mit all ihrem Zubehör, nämlich die Kapellen in Barweiler, Nohn und Ahrdorf geschenkt.

Eine Abschrift dieser Urkunde (angefertigt im 13. Jahrhundert) befindet sich in der Stadtbibliothek Trier.

Man fragt sich, wie Ahrdorf so früh zu einer solchen Kapelle kam. Eine Möglichkeit ist, daß sie von St. Maximin, einer der reichsten Abteien, die es im Deutschland des 10. Jahrhunderts gab, erbaut wurde. Vielleicht ist aber in dieser Hinsicht auch von Bedeutung gewesen, daß wir uns hier in einer Gegend befinden, in der das kostbare Eisenerz gefunden wurde. Die Gewinnung und Verhüttung dieser Erze hat dem oberen Ahrtal bis weit in das 19. Jahrhundert hinein einen Gewinn gebracht, der höher war als der Ertrag aus der Landwirtschaft.

Vielfach haben sich aus solchen Kapellen Pfarrkirchen entwickelt. Das geschah in Barweiler vor 1466, in Nohn im Jahre 1801. Ahrdorf jedoch blieb zu klein: es zählte noch um 1845 nicht mehr als 159 Einwohner in 30 Häusern.

Das tut der Bedeutung, die die Kapelle für die Ahrdorfer Bevölkerung hat, aber keinen Abbruch. Über all die Jahrhunderte wurde das Gotteshaus gehegt und gepflegt und selbst in der für die Kirchen und den christlichen Glauben sehr schwierigen Zeit engagieren sich die Ahrdorfer Bürger immer noch für ‘ihre’ Kapelle - auch viele Menschen, die nicht unbedingt zu den eifrigsten Kirchgängern zählen.

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Beschreibung der Kapelle und ihr Inventar

Johannes der EvangelistDie Kapelle ist ein rechteckicker Bau, in dem im Osten der Altarraum durch eine Wand mit einem Triumphbogen abgetrennt ist. Denselben Grundriss findet man bei vielen Kirchenbauten, die aus der Wende des 10. Jahrhunderts stammen. In Ahrdorf ist das Beispiel einer solchen Kirche der ottonischen Zeit (Kaiser Otto I. lebte von 912 bis 973) nahezu unversehrt erhalten.

Eine Baufuge zwischen Chor und Schiff der Kapelle lässt darauf schließen, dass sie in zwei Zeitabschnitten errichtet wurde. Zuerst baute man im Jahre 970 das Schiff der Kapelle, danach erweiterte man es durch den nach Osten sich leicht verjüngenden Rechteckchor.

Der Eingang zur Kapelle befindet sich auf der Westseite. Zeitweise gab es allerdings einen weiteren Eingang an der Südseite des Chores. Dieser diente wahrscheinlich als Eingang für die Priester und wurde wohl zugemauert, um im im Chor ein steinernes Taufbecken anbringen zu können. Das Becken hat die in der Renaissance so beliebte Muschelform und zeigt, dass die Kapelle ein Taufrecht hatte. Möglicherweise erhielt die Kapelle dieses Taufrecht dadurch, dass in Üxheim um die Wende des 16. Jahrhunderts die katholische Taufe nicht möglich war, weil Üxheim - zu dem Ahrdorf seelsorgerisch über lange Zeit gehörte - unter der Herrschaft eines evangelischen Regenten stammt. Nun zum Inventar.

Der nachfolgende Beitrag ist weitgehend einer Beilagensammlung zum Pfarrbrief entnommen, die von Pfarrer Bernhard Witte anlässlich der Ahrdorfer Tausendjahrfeier im Jahre 1970 erstellt wurde:

Das Lagerbuch der Kirchengemeinde Uedelhoven-Ahrdorf, das 1826 neu angelegt wurde, beschreibt die Kapelle wie folgt:

’Die Kapelle hat ihre Lage in der Mitte des Dorfes auf einer kleinen Anhöhe und hat im Umfang 9 Ruthen (Anmerkung von Ahrdorf.de: 1 Ruthe = 3,5023 Meter). Dieselbe ist ein Mauerwerk mit einer Bedachung von Schiefern ausgeführt und läßt die Bauart auf ein hohes Alter schließen... Der Kirchhof, welcher die Kapelle umschließt, ist mit einer schlechten Zustands befindlichen Mauer umgeben und enthält einen Flächeninhalt von 44 Ruthen.’ 

Im Pfarrarchiv befindet sich das Hauptlagerbuch der Kapelle zu Ahrdorf, das Pfarrer Wagner unter dem Datum vom 2. November 1822 anlegte. In diesem Buch sind unter anderem alle Gerätschaften verzeichnet, die sich zu dieser Zeit in der Kapelle befanden. Die Aufstellung zeigt, dass die doch recht kleine Ahrdorfer Kapelle eine verhältnismäßig große Zahl von zum Teil auch wertvollen liturgischen Gegenständen besaß, die in der Beilagensammlung zum Pfarrbrief größtenteils aufgeführt sind. Von diesen Gegenständen ist leider nicht mehr viel übrig geblieben. Es heißt, dass unter Pfarrer Vehres um das Jahr 1910 eine hölzerne Kiste in Ahrdorf mit alten Messbüchern, Messgewändern, Figuren und einem silbernen Rauchfass gefüllt und nach Köln geschickt worden sei - entweder ins Schnütgen- oder ins erzbischöfliche Diözesanmuseum.

Nachdem dieses Gerücht oder diese These auftauchte, versuchte man in Erfahrung zu bringen, ob sich im Schnütgen- Museum tatsächlich Gegenstände aus der Ahrdorfer Kapelle befinden. Die Museumsleitung teilte jedoch mit, dass ihre Inventare erst nach 1910 entstanden seien und man somit keine Auskunft geben könne. Auch eine Anfrage beim erzbischöflichen Diözesan-Museum blieb leider ohne Erfolg. Mit Ausnahme einiger alter Heiligenfiguren - eine davon ist oben dargestellt - besitzt die Kapelle nunmehr kaum noch einen Gegenstand aus früherer Zeit.

Kapelle nach der Renovierung 1970Die Ahrdorfer Kapelle hat einen Haupt- und zwei Seitenaltäre mit barocken Aufbauten. Da alle Altäre verschiedene Stilelemente haben, kann man davon ausgehen, dass sie (vor 1710) zu verschiedenen Zeiten aufgestellt worden sind. Der Aufbau des Hauptaltares wurde 1709 abgebrochen und seitlich errichtet - es handelt sich um den jetzigen Hubertus-Altar. Ein neuer Barocker Aufsatz - es handelt sich um den jetzigen Hauptaltar - wurde damals auf die alte steinerne Altarmensa (Anmerkung von Ahrdorf.de: Altarmensa = der Tisch, auf dem der gemalte oder geschnitzte Altar steht.) errichtet. Dieser steinerne Altar wird als der älteste noch am selben Ort befindliche Altar des Bistums Aachen angesehen, das heißt, er ist in all den Jahrhunderten nie versetzt worden. Aber auch die Seitenaltarmensen weisen auf ein sehr hohes Alter hin, wie z.B. die Weihekreuze und das starke Hohlkehlenprofil beweisen. So kann man davon ausgehen, dass auch die steinernen Seitenaltäre bereits im 10./11. Jahrhundert an der heutigen Stelle standen.

Die Marienfigur im HauptaltarPfarrer Wagner beschreibt in dem Hauptlagerbuch genau die Altäre, so u.a.: In der Mitte des hohen Altares befindet sich das Bildnis der allerseligsten Jungfrau Maria, gekrönt wird der Altar durch das Bildnis der hl. Margaretha, seitlich des Altares befinden sich die Figuren des hl. Valentinus und des hl. Johannes des Evangelisten, auf der Evangelienseite (Anmerkung von Ahrdorf.de: die linke Seite des Hochaltars) die Figuren des hl. Hubertus und Johannes des Täufers. Diese vier Figuren wurden nach der Renovierung 1957/58 auf den Speicher geschafft und erst im Rahmen der Renovierung Ende der 1980er Jahre wieder - an anderer Stelle - in der Kirche aufgestellt.

Weiterhin schreibt Pfarrer Wagner, dass der Seitenaltar auf der Epistelseite (Anmerkung von Ahrdorf.de: die rechte Seite des Hochaltars) dem hl. Hubertus geweiht sei, sein Bildnis befindet sich - wie auch heute noch - in der Mittelnische des Altares (wo wahrscheinlich wie auch beim anderen Seitenaltar ehemals ein Bild angebracht war). Den Altar krönt das Bildnis des hl. Josef (stattdessen befindet sich heute dort eine kleine Heiligenfigur - aller Wahrscheinlichkeit nach die hl. Genovefa).

Der Seitenaltar auf der Evangelienseite ist nach Pfarrer Wagners Eintragung der hl. Maria Magdalena geweiht. Das Bildnis dieser Heiligen befindet sich in der Altarnische. Die Plastik ist die älteste Heiligenfigur in der Ahrdorfer Kapelle und stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Bis zum Kriege hatte die Kapelle Ahrdorf zwei Glocken aus dem 15. Jahrhundert. Eine davon - die Kleinere - wurde im Kriege beschlagnahmt und ist nie wieder zurückgekommen. Ein Ersatz wurde am Hubertustag 1967 in der Glockengießerei Mark in Brockscheid gegossen - versehen mit dem Bildrelief des hl. Hubertus.

Die Ahrdorfer Orgel stammt aus dem Jahre 1965 und wurde von der Orgelbauwerkstatt Josef Weimbs aus Hellenthal gebaut. Es handelt sich um eine kleine Serienorgel mit 4 Registern und 8 Registerzügen. Bis zum Jahre 1965 wurden die Gottesdienste durch ein Harmonium musikalisch begleitet.

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Die vier Marschälle von Ahrdorf

Der Ahrdorfer HauptaltarIm Rahmen der Renovierungsarbeiten in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre fand man im Chorraum an der Ostwand - hinter dem Hauptaltar - der Kapelle Fragmente von Wandmalereien auf. Sie zeigen offenbar die Bildnisse von vier Heiligen.

Am Anfang wusste niemand, was es mit diesen ‘komischen’ Heiligen auf sich hatte und nicht wenige Ahrdorfer hätten die Farbreste am liebsten gleich übertüncht... denn in diesem Zustand machen sie wirklich nicht viel her.... und restauriert sind sie bis heute nicht.

Wer aber ist nun hier dargestellt? Karl Guthausen, Heimatforscher aus Schleiden, glaubt, dass unter Umständen die so genannten ‘Vier Marschälle’ dargestellt sein könnten, die im Mittelalter sehr verehrt wurden.

Es sind:

  • Mönchsvater Antonius der Große
  • Cornelius der Papst
  • Hubertus von Tongern-Maastricht, Bischof von Lüttich und Patron der Ahrdorfer Kapelle und
  • Quirinus von Neuß

 

Die vier Marschälle von AhrdorfDie vier Marschälle gelten als eine Ergänzung der 14 Nothelfer. Nach dem Volksglauben stellte man sich die vier Heiligen als besonders einflussreiche Hofbeamte am Thron Gottes vor. Sie wurden in dieser Vierergruppe, die auf die spätmittelalterliche Vorliebe für Zahlensymbolik zurückgeht, als Helfer gegen Fallsucht, Tollwut, Krämpfe und Viehkrankheiten angerufen.

Die vier Marschälle sind besonders in der Kölner Gegend heimisch und auch im Eifelraum sind sie in einigen Kirchen dargestellt, z.B. in der Kapelle Hüngersdorf, in der Pfarrkirche Schleiden, in der Kirche in Hostel und früher in der Abteikirche zu Maria-Wald.

Wenn es sich tatsächlich um die vier Marschälle handelt, kann man in etwa das Alter der Malereien bestimmen. Die Bezeichnung ‘heilige Marschälle’ tritt in einer Urkunde von 1478 zum ersten Mal auf, wobei berichtet wird, dass ihre Verehrung schon lange bekannt sei. Verehrung und Darstellungen verlieren sich wieder zum Ende des 17. Jahrhunderts. So kann man davon ausgehen, dass die Malereien aus dieser Zeitspanne stammen.

Ob es sich tatsächlich um die vier Marschälle handelt, ist allerdings bislang nur eine Vermutung und keineswegs gesichert und leider wurde die Restaurierung auch nicht weiter verfolgt. Die Kassenlage in den Kirchen und das ganze Umfeld lassen auch vermuten, dass das noch lange Zeit so bleiben wird.

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Bauliche Entwicklung der Kapelle

Seit ihrem Bau bzw. ihrer ersten urkundlichen Erwähnung

Folgende Aufstellung verdeutlicht die bauliche Entwicklung, die die Kapelle im Verlaufe der Jahrhunderte genommen hat:

11. / 12. Jhd.

Aufstockung des Kapellenraumes

2. Hälfte 12. Jhd.

Anbau des Chores mit möglicherweise nachträglicher Einwölbung und Ausmalung

um 1400

Einbau des spitzbogigen Fensters im Chorscheitel

1413 / 1414

Anschaffung der beiden Glocken. Die kleinere der beiden fiel der Glockenbeschlagnahme im zweiten Weltkrieg zum Opfer und wurde 1967 ersetzt.

1705

Anschaffung eines neuen, dem heiligen Hubertus geweihten Hochaltares. Der bisherige Hochaltar wird südlicher Seitenaltar

1710

Erneuerung des Westportals (mit Portalumrahmung, deren Inschrift “TERRIBILIS EST LOCUS ISTE: ehrfurchtgebietend ist dieser Ort” lautet), der flachen Eindeckung des Schiffes und des Dachstuhles, Einbau größerer Fenster im Schiff.

1802

Angliederung der bisherigen Filiale von Üxheim (Diözese Trier) an die Pfarrei Uedelhoven

1955

Instandsetzung der Friedhofsmauer

1957 / 1958

  • Erweiterung um eine Achse (3 m) nach Westen und Einbau einer Empore
  • Beseitigung von Kriegsschäden
  • Entfernung der barocken Deckenkonstruktion und Einbau einer Holzflachdecke in der ursprünglichen Höhe über den romanischen Schlitzfenstern
  • Wiederherstellung der alten Triumphbogenöffnung durch die Beseitigung einer Unterfangung
  • Freilegung der frühromanischen Mensa des Hochaltars
  • durch Putzuntersuchung Feststellung der originalen Farbfassung und Neuanstrich der Wände

1985 – 1989

Erneuerung des Außen- und Innenanstrichs mit verschiedenen Ergänzungs- und Verschönerungsarbeiten

2006 - 2007

Drainagelegung und Innenanstrich

Zu den Arbeiten ab 1955 liegen mir einige Informationen in Form von Zeitungsausschnitten etc. vor, die ich an dieser Stelle wiedergeben und - soweit vorhanden - mit Fotos untermalen möchte:

Kölnische Rundschau, Mittwoch, 23. Februar 1955: Kapelle soll erweitert werden

Die Kapelle vor der ErweiterungIm Weinhaus ‘Im Wiesengrund’ hatten sich die Ratsmitglieder unter Vorsitz von Ortsbürgermeister Hubert Schmitt versammelt. Sie berieten mit Amtsdirektor Völler und Pfarrer Lemmen, Uedelhoven, über kommunalpolitische und kirchenbauliche Angelegenheiten. Bereits zu Eingang der Sitzung stellte Pfarrer Lemmen für die Pfarrfiliale Ahrdorf den Antrag um Zuweisung einer größeren Summe für den geplanten Erweiterungsbau des Dorfkirchleins. Er begründete seinen Antrag damit, daß die Pfarrgemeinde Uedelhoven aus ihren geringen Einkünften die notwendigen Gelder unmöglich aufbringen könne. Andererseits könne man es den knapp 200 Einwohnern von Ahrdorf, die heute noch schwer an den verheerenden Zerstörungen des Krieges zu tragen haben, nicht zumuten, aus eigenen Mitteln Geld zu spenden.

Schon im Jahre 987 (Anmerkung von Ahrdorf.de: tatsächlich war es 970) wurde in Ahrdorf eine Kapelle erwähnt, die dem heiligen Hubertus geweiht war. In Schriftstücken der späteren Herzöge von Aremberg finden wir 1491 eine Bemerkung, daß die Gemeinde an der Kapelle ein eigenes ‘Begräbnuß’ habe. 1710 wurde der Turmbau erneuert und aus dieser Zeit stammt die heutige Form der kleinen Kirche, die bei der stets zunehmenden Bevölkerungszahl besonders in den letzten Jahren zu klein geworden ist. 1953 wurde das Gotteshaus vom Diözesanbaumeister besichtigt. Er gab Anweisungen, wie und in welchem Umfange ein Erweiterungsbau in Frage kommt unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte. Architekt Riedel aus Gemünd fertigte auf Veranlassung von Pfarrer Lemmen einen Vorentwurf an für die Erweiterung, Einbau einer Empore und eines Gewölbes über dem Kirchenschiff. Im Kostenvoranschlag würde dieses Projekt eine Bausumme von 10.000 DM erfordern.

In den Beratungen über den neuen Haushaltsplan, der mit 70.525 DM in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen ist, konnte kein nennenswerter Betrag für den Umbau der Kirche freigegeben werden. Die im letzten Rechnungsjahr gebildeten Reserven in Höhe von insgesamt 16.000 DM für Wegebau und Ortskanalisation waren nach Ansicht der Ratsvertretung zweckgebunden und sollten nicht für kirchenbauliche Zwecke angegriffen werden, zumal die Gemeinde für dieses Jahr bereits eine Summe von 15.000 DM für die Wiederaufrichtung der hohen Umfassungsmauer des Friedhofes, der rings um das Kirchlein angelegt ist, bereitgestellt hat. Die Abbruch- und Ausschachtungsarbeiten an der Friedhofsmauer wurden inzwischen aufgenommen.

Für die Belange der Kapelle wurden bereits von privater Hand 1.000 DM gespendet. Inwieweit sich das Generalvikariat in Aachen und der Denkmalpflegeschutz des Landes sich an den Kosten beteiligen werden, hängt von der Eigenleistung der Gemeinde ab. Um zu einer für beide Teile befriedigenden Lösung zu kommen, schlug Ratsmitglied Stockhausen (Anmerkung von Ahrdorf.de: es handelte sich um Hugo Stockhaus) vor, den Zuschuß der Diözese Aachen zur Erneuerung der Friedhofsmauer in Höhe von 4.500 DM als Eigenleistung der Gemeinde für den Kapellenerweiterungsbau zu verwenden. Damit wäre dann das Projekt mit 5.500 DM finanziell sichergestellt. Über die Restfinanzierung werden entsprechende Anträge an das Generalvikariat und den Landeskonservator gestellt.

Bei Vorlage des Inspektionsberichtes über das Feuerlöschwesen stellte sich heraus, daß für die Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr noch acht Stahlhelme, vier Hakengurte, vier Fangleinen und acht Schutzanzüge fehlen. Der Rat beschloß nach eingehender Beratung, die Stahlhelme, Fangleinen und Hakengurte zu beschaffen, jedoch den Kauf der Schutzanzüge aus finanziellen Gründen auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen. Die Änderung der Hauptsatzung hinsichtlich Einstellung und Entlassung von Gemeindewaldarbeitern wurde einstimmig von den Ratsmitgliedern gebilligt.

Allen Ratsmitgliedern muß das Zeugnis aufgestellt werden, daß sie das Wesen des Gemeindehaushaltes erfaßt haben und sowohl über das Aufkommen als auch über die Verwendung der Mittel genau unterrichtet sind. Wo das der Fall ist, kann man um die erforderliche Sorgfalt unbesorgt sein. In Ahrdorf, im südöstlichsten Zipfel des Kreises Schleiden, liegen die Dinge jedenfalls in guten Händen.

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Kölnische Rundschau, 19. Juli 1955: Friedhofsmauer vor der Vollendung

Die stellenweise dreieinhalb Meter hohe Umfassungsmauer des um das uralte Hubertuskirchlein gelegenen Friedhofes war im Laufe der letzten Jahre sehr schadhaft geworden. Im vergangenen Jahr stürzten infolge der anhaltend nassen Witterung große Teile der Mauer in die tiefer gelegenen Gärten. Der Gemeinderat beschloß, die Mauer in ihrer gesamten Länge abzubrechen und neu aufbauen zu lassen. Ein Bauunternehmer aus dem Kreis Ahrweiler wurde mit den Maurerarbeiten beauftragt. Das Generalvikariat in Aachen stellte für das Bauvorhaben 4.500 DM zur Verfügung. Aus Eigenmitteln brachte die Gemeinde 10.000 D-Mark auf. Durch diese große Belastung ist es der Gemeinde in diesem Rechnungsjahr unmöglich, größere Mittel für den geplanten Erweiterungsbau der aus dem Jahre 1491 stammenden Kapelle (Anmerkung von Ahrdorf.de: das ist natürlich Unsinn; die Kapelle wurde bekanntlich bereits 970 erwähnt) bereitzustellen.

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Bilder im Zusammenhang mit der Erweiterung 1957 - 1959

Die Kapelle während des Anbaus 1957-1959

Bild oben: Bau der Erweiterung auf der Westseite der Kapelle

 

Bild rechts: der Innenraum der Kapelle vor der Renovierung

 

Kapelle nach der Erweitung
Kapelle vor der Innenrenovierung

Bild links: Kapelle nach der Erweiterung

Bild unten: der Innenraum nach der Restaurierung

Persönlich bin ich der Meinung, dass der Innenraum vor der Renovierung deutlich schöner war als nach der Renovierung. Aber so war der damalige Zeitgeist: schlicht und einfach sollte es sein.

Kapelle nach der Innenraum-Restaurierung
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Kölnische Rundschau, 1989 (genaues Datum nicht bekannt): 1000jährige Kapelle Ahrdorf restauriert

Pfarrer Witte beim Eröffnungsgottesdienst 1989Nach dreijähriger Restaurierung wurde am Sonntag die tausendjährige St. Hubertus-Kapelle in Ahrdorf von Pfarrer Witte neu eingesegnet. Die Junggesellen, die Frauen und Männer des Ortes hatten tatkräftig mit angepackt. Der alte Putz wurde heruntergeschlagen, dann erhielt die Kapelle einen frischen Putz und einen neuen Anstrich. Unter den Bänken wurde auf die Steinplatten ein neuer Holzboden gesetzt.

Außen wurde die schmucke Kapelle völlig neu überarbeitet und erhielt ein neu verankertes Fundament, das der Kirche einen festen Halt geben soll. Die Innenrenovierung dauerte ein halbes Jahr. Während dieser Zeit feierten die Ahrdorfer ihre Gottesdienste im Bürgerhaus. Jetzt ist die rechteckige Hallenkirche (970 erstmalig erwähnt) bis auf den Altarraum fertig. Dieser Raum ist von der übrigen Kirche abgesperrt. Denn dort ist das Deckengewölbe abgestützt und zeigt Risse.

In der Renovierungszeit kamen im Gewölbe unter einem Anstrich alte Malereien zum Vorschein. Der Denkmalpfleger schaltete sich ein. Die Sachverständigen sind sich noch nicht darüber einig, wie sie mit den bemerkenswerten Malereien verfahren werden sollen.

Ahrdorf hat nicht nur eine der ältesten Kirchen im Bistum Aachen, sondern wahrscheinlich auch den ältesten Altar, der im Bistum Aachen zu finden ist. Früher gehörte Ahrdorf zur Pfarre Dorsel (heute Rheinland-Pfalz). Aber auch vom Uedelhovener Pfarrer wurde Ahrdorf betreut. Heute gehört Ahrdorf zur Pfarre Dollendorf (Anmerkung von Ahrdorf.de: das ist natürlich falsch. Ahrdorf gehörte nie zur Pfarre Dollendorf und 1988 längst zur Pfarre Uedelhoven). Die Ahrdorfer pflegen bis heute mit den ehemaligen Pfarrgemeinden in der Nachbarschaft enge freundschaftliche Beziehungen. So sang auch am Sonntag der Dorseler Chor zur Neueinsegnung.

Die Kapelle wird nur für Gottesdienste geöffnet, weil es in der Vergangenheit schon dreimal Einbrecher auf die alten sakralen Gegenstände in Ahrdorf abgesehen hatten.

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Aachener Kirchenzeitung im Februar 1989: Im Chorraum tauchtenunbekannte alte Wandmalereien unter dem Putz auf

Die etwa 150 Seelen zählende Kapellengemeinde St. Hubertus in Ahrdorf, die für ein halbes Jahr wegen der Renovierungsarbeiten Gast im Bürgerhaus des Dorfes gewesen war, konnte am Sonntag vor Lichtmeß (Anmerkung von Ahrdorf.de: das müsste dann der 29. Januar 1989 gewesen sein) wieder ihren Gottesdienst in der alten Kapelle feiern. Die Ahrdorfer Kapellengemeinde kann auf eine über 1000 Jahre reichende geschichtliche Vergangenheit zurückblicken. In einer Urkunde von 970 wird eine Kapelle in Ahrdorf zum erstenmal erwähnt. Sie wurde im Jahr 1710 einer größeren Renovierung unterworfen, wie das jetzige Kirchenportal ausweist.

Bei der Kapelle handelt es sich um einen schlicht geputzten Bruchsteinbau von 14,75 m Länge und 5,25 m Breite. Darin hatten sich in letzter Zeit Risse gezeigt, die eine dringende Sanierung des Baues erforderlich machten; außerdem war es notwendig, die Mauerfeuchtigkeit einzudämmen.

Hubertusfigur über dem EingangsportalErste Überlegungen für die Renovierung wurden bereits Anfang 1981 angestellt. Als erste Maßnahme erfolgte der Einbau einer elektrischen Heizung. Bei einer Überprüfung des baulichen Zustandes im Jahr 1985 stellte man eine Ausweitung der Schäden in der baulichen Substanz fest, insbesondere einen starken Riß zwischen Chor- und Langhaus. Weiter zeigten sich Risse im Gewölbe des Altarraumes. Neben Behebung dieser Schäden waren die statische Sicherung der Dachkonstruktion, die Sicherung des Fundaments - seine Tiefe beträgt durchschnittlich nur 50 - 65 cm -, die Erneuerung des Außen- und Innenputzes sowie der Einbau eines neuen Holzfußbodens notwendig; der alte war durch die Feuchtigkeit angefault. Bei der Renovierung kamen im Chorraum alte Wandmalereien zum Vorschein, deren Deutung noch ermittelt werden muß (Anmerkung von Ahrdorf.de: siehe ‘Die vier Marschälle von Ahrdorf’).

Dank der Hilfe durch Bistum und Land, aber auch durch die Opferfreudigkeit der Bevölkerung - Jungmänner, Männer und Frauen haben eine anerkennenswerte Eigenleistung aufgebracht - bietet sich nun das alte Heiligtum, eine Art Hallenbau, wieder in neuem Glanz. Die helle Decke wurde mit einem Mäanderstreifen versehen, der den hellen Raum auflockert. Der Junggesellenverein stiftete für die Nische über dem Portal eine Holzfigur des Kapellenpatrons St. Hubertus (s. Bild rechts).

Bei der Festmesse, die Pfarrer Bernhard Witte, Uedelhoven, mit den Angehörigen der Kapellengemeinde feierte, wirkte der Kirchenchor Dorsel unter Leitung von Karl Croê mit. Während der Reformationszeit hatte Ahrdorf einmal für kurze Zeit zur Pfarre Dorsel gehört. Heute ist die Kapellengemeinde Teil der Pfarre Uedelhoven.

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Pfarrbrief (u.a.) der Kapellengemeinde Uedelhoven-Ahrdorf 1/2007

Schon lange hegten die Gläubigen in Ahrdorf den Wunsch, ihre über 1000-jährige Kapelle innen nochmals anzustreichen. Der Förderverein Kapelle Ahrdorf griff den Gedanken auf und in Absprache mit den zuständigen Behörden und dem Kirchenvorstand wurde das Gewerk in der 2. und 3. Januarwoche 2007 ausgeführt. Die Kosten der Arbeiten hat größtenteils der Förderverein getragen. Eigens dafür wurde in Ahrdorf eine Haussammlung durchgeführt, die ein absolut tolles Ergebnis erbrachte.

Zunächst haben im Herbst 2006 einige Freiwillige damit begonnen, das Mauerwerk außen trocken zu legen. Am Südgiebel wurde bereits das ehemals unsachgemäß angebrachte Lavagestein entfernt. Im zeitigen Frühjahr werden die Arbeiten im Außenbereich fortgeführt, eine Drainage verlegt, eine Isolierung angebracht und die Entwässerungsgräben mit mineralischem Gestein wieder verfüllt. Ebenso wird man nach einer Lösung suchen, um auch die Wände im Chorraum wieder einigermaßen herzurichten.

Die Fa. Hamacher aus Wallenthal hat die Arbeiten an den Innenwänden (außer Chorraum), der Holzdecke, Außentür und der Empore fachgerecht ausgeführt. Mitglieder des Fördervereins haben die Kapelle vorher ausgeräumt und die Möblierung jetzt wieder aufgestellt.

Der Kirchenvorstand dankt dem Förderverein, allen Spendern und vor allem den freiwilligen Helfern. Ohne ihren Beitrag wäre die Maßnahme nicht möglich gewesen.

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Abschließen möchte ich diesen Bericht mit einem Foto, welches mir besonders gut gefällt. Es ist ein sehr altes Bild und zeigt die Kirche noch mit vollem Inventar und Schmuck. In der Mitte sind die beiden Seile, mit denen vor Einbau des elektrischen Läutewerkes die Glocken geläutet wurden. Danke an Rolf Schmitz aus Ahrdorf für dieses Bild! Wenn auch Sie alte Bilder aus Ahrdorf haben - egal, ob von der Kapelle, der Schule, von Feiern etc., sagen Sie mir bitte Bescheid. Ich scanne die Bilder und geben sie umgehend zurück. Ahrdorf.de lebt von seinen Lesern!

Kapelle92